Ich heiße Antaranga und bin im Wonnemonat Mai im Jahre 1964 geboren. Von den Erfahrungen und spirituellen Erlebnissen, die mich zum Meditieren bewegt haben, erfahrt Ihr hier.
My name is Antaranga and I was born in May 1964. You can read here about the spiritual experiences, which inspired me to meditate in English language.
Die Lieblingshose und die Vergänglichkeit
Es staubte in einem hellen Braun unter mir und die weißen Schottersteine flitzen an meinen Augen vorbei. Plötzlich staubte es noch mehr und der blaue Himmel wurde sichtbar. Es tat kaum etwas weh. Auch das orange Bonanzafahrrad schien in Ordnung. Ich setzte mich wieder auf den Sattel und blickte zu den Pedalen. Da sah ich es! Meine Blue Jeans hatte ein großes Loch. Heute mag das ja modern sein, aber ich war damals vierzehn und dass meine Lieblingshose nicht mehr ganz war, hat mich tief frustriert - zumal meine Mutter Hosen mit Loch gerne wegwarf. Das Loch hinterließ einen äußerst tiefen Eindruck in meiner Gefühlswelt und es wurde mir glasklar, dass alles, das ich gern habe, auf dieser Welt kaputt gehen kann und vergänglich ist. Buddha muss vor 2500 Jahren so eine ähnliche Erfahrung gemacht haben, als er zum ersten Mal - noch als junger Prinz - alte und kranke Menschen sah und sich der Vergänglichkeit alles Irdischen bewusst wurde. Nun mit der buddhistischen Lehre habe ich mich erst Jahre später auseinandergesetzt, aber mit Vergänglichkeit zuvor noch viele weitere Male.Ich fragte mich manchmal: Was bleibt denn von mir übrig, wenn ich sterben sollte? Kann ich dann noch sehen und hören? Ich suchte Antworten. (Foto: Antaranga am Lago di Lugano im Jahr 2005)
Marroko und die „Mityogis“
Mit siebzehn machte ich mich dann auf in den Süden zu meiner ersten großen Reise ohne meine Eltern - per Bahn mit Interrail-Ticket, das die Fahrt bis nach Marroko zuließ. Dort in den Norden Afrikas zog es meinen Freund Uwe und mich mit. Wir sahen unerwartet viele Hütten aus Brettern und Plastiktüten und viel bittere Armut. Ich hatte schon immer tiefes Mitgefühl für leidende Menschen. So begann ich mich bald nach meiner Rückkehr nach Deutschland überall zu engagieren – in Dritte Welt-Gruppen, bei Amnesty International, für Umweltinitiativen. (Foto: Antaranga mit siebzehn abgelichtet für den Personalausweis) Ständig wurden meine Klassenkameraden meist nicht nur mit einer Unterschriftenliste von mir konfrontiert sowie mit zahlreichen Boykottaufrufen und Aktionen für eine bessere Welt. Die Welt wurde dadurch vielleicht ein klein wenig besser, aber sicher nicht viel. Hunderte starben trotzdem an Hunger und Krankheiten - jeden Tag. Warum? Gibt es etwas Unsterbliches im Menschen? Gibt es einen Himmel, in dem die Ungerechtigkeit ausgeglichen wird? Die „Warum-Frage“ und die Suche nach Antworten ließ mich nicht mehr los. Mit dem 'Warum' hatte ich schon meinen Vater als kleiner Junge bis an seine Grenzen gebracht. Dort war ich jetzt auch. Ich war nicht glücklich über die Zustände in der Welt und war schon abgekämpft, als ich das Abitur hinter mich gebracht hatte.Erst später während meines Einsatzes als Zivildienstleistender taten sich neue Wege auf. Eines Tages sagte eine Bekannte zu mir: „Komm doch mit zum Yoga, das wird Dir gut tun.“ Also versuchte ich als Zivi meine Verspannungen mit yogischen Entspannungs- und Dehnübungen los zu werden. Ich bekam mehr und mehr Literatur von meinen „Mityogis“ empfohlen und zugesteckt. Dort fand ich Antworten auf meine Fragen. Die Yoga-Bücher sprachen sogar davon, dass man hier auf der Erde Gott und seine eigene unendliche Seele sehen lernen kann. Es sei auch möglich, während des irdischen Lebens unendlichen Frieden und unendliche Glückseligkeit zu erfahren. Das wollte ich auch. Aber gab es das wirklich?
Die Tropenpflanzen und der innere Friede
Als Zivi hatte ich die Aufgabe bekommen, zwei körperlich und geistig behinderte Kinder in ein neues Krankenhaus zur Untersuchung zu bringen. Da passierte es dann. Die Kinder hatte ich schon so liebevoll wie möglich verabschiedet und auf ihr Zimmer gebracht. Ich schlenderte an dem üppig mit tropischen Pflanzen bestückten Innenhof vorbei, der mit Glas überdacht war. Mein Blick blieb an den Pflanzen-Schönheiten aus den Tropen hängen und plötzlich war alles verwandelt. Alles war schön, voller Freude. Tiefe innere Ruhe erfüllte mich. Das hatte ich noch nie erlebt. Doch als kleines Kind, fiel mir später ein, als ich einmal mit meinem Opa in das Gewächshaus der Wilhelma, des Stuttgarter Zoos ging. Leider war der Zauber nach ein paar Minuten vorbei und der normale Zivi-Alltag ging weiter. (Foto: Antaranga sieben Monate alt)
Um dem Alltag zu entfliehen, fuhr ich an einem sonnigen Sonntag mit Freunden zu einem alternativen Töpfermarkt in der Nähe eines oberbayerischen Dorfes. Ein Plakat auf einem Brett, das an einem Holzpfahl befestigt war, zog meine Blicke auf sich. Zen-Meditation: Film heute im Filmzelt. Nichts wie hin zu diesem Zelt! Auf der Leinwand wurde in die Kunst der Zenmeditation eingeführt. Und plötzlich war sie wieder da – für ein paar Sekunden im Filmzelt. Die innere Freude, die alles verwandelte.
Ich saß auf einem runden, schwarzen Kissen in einem rundum weißen Raum mit weißen Fußbodenkacheln in einem umgebauten Keller in München. Eine gelbe Lilie in einer weißen Vase, die ich in einer Nische an der Wand gesehen hatte, ging mir nicht aus dem Kopf. Ich lauschte einem Mann im schwarzen Gewand. Die meiste Zeit jedoch saß ich aufrecht, zählte meine Atemzüge und guckte auf die weiße Wand. Auf der Suche nach dem Glück war ein Kurs in Zen-Meditation die logische Folge meiner inneren Erfahrungen. Ich lernte viel über Disziplin, die notwendig sei, um das Paradies in sich zu entdecken.
Seit dem Kurs im Zen-Keller saß ich nun jeden Tag zweimal für eine halbe Stunde still und aufrecht auf meinem selbstkonstruierten Meditationsbänkchen aus Kiefernholz. Aber der paradiesische Zustand wollte sich bei mir nicht so richtig einstellen. Peter aus dem Yogakurs, den ich noch des öfteren besuchte, um Entspannung zu finden, drückte mir eine Broschüre über Sri Chinmoy in die Hand. „Ein echt großer, noch lebender Meditationsmeister“, sagte er. Den wollte ich mal kennenlernen, dachte ich, nachdem ich die Worte in der Broschüre gebannt gelesen hatte.
Florenz und der innere Frühling
Wie es das Schicksal so will, forderte ein Poster auf einer meiner jugendlichen Einkaufstouren in München meine Aufmerksamkeit. In vielen Farben kündigte es ein Konzert von Sri Chinmoy in München an. Begeistert erzählte ich in meiner Bauernhof-WG davon. Also fuhren wir alle gemeinsam im klapprigen, roten Renault 4 nach München in den Zirkus Krone und lauschten Sri Chinmoys meditativen Klängen und Gesang. Obwohl sich bei mir trotz meditativster Musik kein paradiesischer Bewusstseinzustand im Zirkusrondell einstellen wollte, beschloss ich einen Meditationskurs im Sri Chinmoy Centre zu absolvieren – in 3 Monaten, wenn ich nach München umsiedle, um bald meine Ausbildung als Heilpraktiker zu beginnen. Am Ende des Kurses in einem Raum mit hellblauem Teppich stellte mir der Kursleiter die Frage, ob ich Meditationsschüler von Sri Chinmoy werden möchte. Ich war mir ganz und gar nicht sicher, da sich der innere Friede auch während des Kurses nicht einstellen wollte. Da Sri Chinmoy aber in ein paar Tagen ein Konzert in Florenz geben wird, legte ich mich am Abend zuvor in das Liegewagenabteil des Nachtzuges nach Florenz. (Foto: Antarangas erstes Auo)In Florenz bin ich schon öfter gewesen und gerne. Dort nach dem Konzert, wollte ich mich entscheiden, ob ich sein Meditationsschüler werden will. Kaum in Florenz angekommen, war ich glücklich, obwohl ich schlecht geschlafen hatte und müde war. Es war Frühling. Die Bäume blühten in weiß, rot, gelb und dufteten. Nach einer langen Busfahrt quer durch Florenz betrat ich den Kinosaal mit den roten Polsterstühlen, in dem das Konzert bald stattfinden sollte. Ich fragte sofort nach Nivedak, einem langjährigen Meditationschüler von Sri Chinmoy. Da saß er. Ich setzte mich neben Nivedak und freute mich sofort über seine Herzlichkeit. Er sprach deutsch. Ihm sollte ich mein Bild und den ausgefüllten Fragebogen geben, wenn ich Schüler werden will. Ich gab ihm beides bereits vor Beginn des Konzertes! Es war einfach so schön, neben ihm zu sitzen. Meine positive Grundstimmung beflügelte mich dazu, einfach mal zu fragen, ob Sri Chinmoy mich als seinen Schüler annehmen will. Ich beschloss noch ein paar Tage länger in Florenz zu bleiben, weil ich hier besonders glücklich war. Doch schon am nächsten Tag ließ diese enorme Freude nach. Es war wohl nicht die Stadt oder der Frühling gewesen, der mich so glücklich gemacht hatte, sondern die innere und äußere Gegenwart von Sri Chinmoy.
Das Hilton Hotel und das Happy End
Sri Chinmoy meditierte auf mein Foto, als er auf dem Weg von Florenz nach Oslo zu einem der nächsten Konzerte war. Zwei Wochen nachdem ich ihn in Florenz gesehen hatte, erfuhr ich, dass er mich als Meditationsschüler angenommen hat. Das war im März 1988. Ich meditierte täglich vor mich hin, aber himmlische Gefühlszustände mochten sich nicht mehr einstellen. Ein halbes Jahr später stand ich gleich neben einem Zugang zu einem Saal mit vielen tropischen Pflanzen im Hilton Hotel in München. Sri Chinmoy wollte in dem Saal einen Nobelpreisträger treffen und ehren. Plötzlich kam Sri Chinmoy fast direkt auf mich zu, um seinen Ehrengast, der in meiner Nähe stand, zu begrüßen. Sri Chinmoy schaute mich kurz an und da war er wieder, der tiefe innere Frieden. Er hielt diesmal für ein paar Stunden an. Nun war ich mir sicher, den richtigen Meditationsmeister und inneren Freund gefunden zu haben, der mich begleiten wird, bis ich das Ziel der Erleuchtung erreicht habe. (Foto: Antaranga seit fünf Jahren Sri Chinmoys Meditationsschüler)Sri Chinmoy hat mir über die Jahre viele tiefe innere Erfahrungen geschenkt, die ich ohne sein Zutun nicht nach so wenigen Jahren der Meditation gemacht hätte. Ich gehe heute nach wie vor gerne im Bioladen einkaufen, leiste gerne eine Unterschrift für eine bessere Welt und beteilige mich an der humanitären Hilfe der Sri Chinmoy Centres in vielen Ländern. Der Unterschied zu früher: Ich meditiere täglich, bin fröhlich, relativ ausgeglichen und fühle sehr dankbar die kraftvolle innere Unterstützung von Sri Chinmoy. Heute sehe ich der Zukunft sehr optimistisch entgegen. Obwohl es manchmal aus irdischer Sicht sehr viel Leid gibt, fühle ich, dass das kosmische Drama letztendlich ein Happy End haben wird. Ich bin mir sicher, dass der Schöpfer mit Liebe dafür sorgt, dass sich alle Menschen weiterentwickeln und letztendlich alle zu glücklichen, mitfühlenden Menschen werden.